Da ist an dem Wege, der von Oberplan nach
Hossenreuth führt, ein geräumiges Stück Rasen, welches in die Felder
hinein geht und mit einer Mauer aus losen Steinen eingefasst ist. In
diesen Steinen stecken kleine Blättchen, die wie Silber und Diamanten
funkeln, und die man mit einem Messer oder mit einer Ahle herausbrechen
kann. Wir Kinder hießen diese Blättchen Katzensilber, und hatten eine
sehr große Freude an ihnen.
Auf dem Berglein des Altrichters befindet sich
ein Stein, der so fein und weich ist, daß man ihn mit einem Messer
schneiden kann. Die Bewohner unserer Gegend nennen ihn Taufstein. Ich
machte Täfelchen, Würfel, Ringe und Petschafte [Siegel] aus dem Steine, bis mir
ein Mann, der Uhren, Barometer und Stammbäume verfertigte und Bilder
lackierte, zeigte, dass man den Stein mit einem zarten Firnisse anstreichen müsse, und dass dann die schönsten blauen, grünen und
rötlichen Linien zum Vorscheine kämen.
Wenn ich Zeit hatte, legte ich meine Schätze in
eine Reihe, betrachtete sie, und hatte mein Vergnügen an ihnen.
Besonders hatte die Verwunderung kein Ende,
wenn es auf einem Steine so geheimnisvoll glänzte und leuchtete und
äugelte, dass man es gar nicht ergründen konnte, woher denn das käme.
Freilich war manchmal auch ein Stück Glas darunter, das ich auf den
Feldern gefunden hatte, und das in allerlei Regenbogenfarben schimmerte.
Wenn sie dann sagten, das sei ja nur ein Glas, und noch dazu ein
verwitterndes, wodurch es eben diese schimmernden Farben erhalten habe,
so dachte ich: Ei, wenn es auch nur ein Glas ist, so hat es doch die
schönen Farben, und es ist zum Staunen, wie es in der kühlen, feuchten
Erde diese Farben empfangen konnte, und ich ließ es unter den Steinen
liegen.
Dieser Sammelgeist nun ist noch immer nicht von
mir gewichen. Nicht nur trage ich noch heut zu Tage buchstäblich Steine
in der Tasche nach Hause, um sie zu zeichnen oder zu malen, und ihre
Abbilder dann weiter zu verwenden, sondern ich lege ja auch hier eine
Sammlung von allerlei Spielereien und Kram für die Jugend an, an dem sie
eine Freude haben, und den sie sich zur Betrachtung zurecht richten
möge. Freilich müssen meine jungen Freunde zu dieser Sammlung bedeutend
älter sein als ich, da ich mir meine seltsamen Feldsteine zur Ergötzung
nach Hause trug. Es wird der Fall nicht eintreten, dass ein Juwel in der
Sammlung sei, so wie kaum die Gefahr vorhanden ist, dass ich unter meinen
Steinen einstens etwa einen ungeschliffenen Diamant oder Rubin gehabt
habe und ohne mein Wissen unermesslich reich gewesen sei. Wenn aber
manches Glasstock unter diesen Dingen ist, so bitte ich meine Freunde,
zu denken, wie ich bei meinem Glase gedacht habe: es hat doch allerlei
Farben, und mag bei den Steinen belassen bleiben.
Wenn man einem Verstorbenen eine Sammlung widmen
könnte, würde ich diese meinem verstorbenen jungen Freunde Gustav
widmen. Ich hatte ihn zufällig kennen gelernt, ihn lieb gewonnen, und er
hatte mir wie einem
Vater vertraut. Er hatte Freude an Spielereien, so wie er auch gleich
einem Mädchen noch immer gelegentlich ein Stückchen Naschwerk liebte,
und, wenn er bei mir zu Tische war, auch stets bekam. Möge er in seiner
lichteren Heimat manchmal an den älteren Freund denken, der noch immer
in dieser Welt ist, und noch ein Stückchen Zeit da zu bleiben wünscht.
Weil es unermesslich viele Steine gibt, so kann ich gar nicht voraus sagen, wie groß diese Sammlung werden wird.
ZUM GEBURTSTAG DES SCHRIFTSTELLERS
Über den Autor (1805-1868)
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