Künstlerische Revolutionen haben wie soziale unfehlbar Ausschreitungen und Übertreibungen im Gefolge. In der leidenschaftlichen Auflehnung gegen überalterte Gesetze, gegen verrottete Zustände aller Arten, denkt man zunächst nur daran, zu zerstören. Man schreit und singt, man reißt die Zeichen früherer Herrschaft von den Mauern, wirft den Machthabern vom Tage vorher die Fenster ein, dekretiert schrankenlose Freiheit auf allen Gebieten, und erst, wenn der blinde Taumel des Erfolges, der betäubende Siegesrausch vorüber ist, erscheinen nach und nach die neuen Wahrheiten, denkt man daran, der Zerstörungsarbeit die ungleich schwerere des Aufbaues folgen zu lassen. Mag die Revolution im Namen des Proletariats oder des Königtums geführt werden, mag sie kirchlich oder atheistisch sein – jede Sache und Partei hat ihre Fanatiker, und der Verlauf wird immer ungefähr der nämliche bleiben.
(Beginn des Artikels im 'Kunstwart', Heft 15, von 1888)
ZUM GEBURTSTAG DES PUBLIZISTEN
Über den Autor (1861-1927)
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