Kein Laut!
Nur die Pappeln flüstern ...
Der alte Tümpel vor mir
schwarz wie Tinte,
um mich, über mir, von allen Seiten,
auf
Fledermausflügeln,
die Nacht,
und nur drüben noch,
zwischen den
beiden Weidenstümpfen,
die sich im Dunkeln wie Drachen dehnen,
matt,
fahl, verröchelnd,
ein letzter Schwefelstreif.
Auf ihm, scharf,
eine Silhouette: ein Faun, der die Flöte bläst.
Ich sehe deutlich
seine Finger.
Sie sind alle zierlich gespreizt
und die beiden
kleinsten sogar höchst kokett aufwärts gebogen.
Das graziöse Röhrchen
quer in ihrer Mitte
schwebt fast wagerecht über der linken Schulter.
Auch die rechte sehe ich.
Nur den Kopf nicht. Der fehlt. Der ist
runtergekullert.
Der liegt seit hundert Jahren schon
unten im Tümpel.
Plitsch! –? Ein Frosch.
Ich bin zusammengeschrocken.
Der
Streif drüben erlischt,
ich fühle, wie das Wasser Kreise treibt,
und
die uralte Steinbank, auf der ich sitze,
schauert mir plötzlich ihre
Kälte bis ins Genick hinauf.
...?
Nein. Nichts. Nur die Pappeln.
(Aus dem 1898 veröffentlichten Gedichtband 'Phantasus')
ZUM TODESTAG DES DICHTERS
Über den Autor (1863-1929)
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