Nicht der Reflexionsakt des Philosophen macht den Menschen selig,
sondern erst der wahrhaftige Devotionsakt des Heiligen kann vollenden,
was im Menschen als sein Menschlichstes angelegt ist. Nicht eine falsche
Beruhigung ist das höchste Ziel des philosophischen Reflexionsaktes,
sondern das ist gerade ihre höchste, ihre wahrhaft menschliche Aufgabe,
den Menschen in die tiefe Ruhe zu führen, die unser wahrheitshungriger
Geist nur in der Evidenz der Wahrheit finden kann. In der Philosophie
selbst also ist jener Devotionsakt schon implicite angelegt und
enthalten, der im wahrhaft religiösen Devotionsakt explicite seine
klassische Gestalt erhält. Als ein die Wahrheit Suchender sowohl als
auch ein die Wahrheit Findender muß der Philosoph niederknien vor dem
Altar der Wahrheit. Denn ohne diesen Akt der Devotion wird all sein
Suchen nur ein eitles und vergebliches Suchen sein.
(Aus dem 1933 in der Zeitschrift 'Glaube und Gegenwart' erschienenen Aufsatz)
ZUM TODESTAG DES PHILOSOPHEN
Über den Autor (1884-1940)
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